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Die squeaker.net Story Teil 2: Erfahrungen einer Gründung in 2000

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Image by squeaker.net via Flickr

Im letzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, mit welcher Vision wir im Jahr 2000 squeaker.net gründeten. Zielgruppennähe, Authentizität und Qualität waren – und sind – unsere Ziele. Qualität mit Qualität zusammenzubringen, treibt uns weiterhin an.

In diesem Beitrag möchte ich rückblickend auf die Gründung von damals ein paar Erfahrungswerte teilen. Als ich in London für einen VC Fund gearbeitet hatte, habe ich immer wieder Gründerteams aus Deutschland mit sehr ähnlichen Vorstellungen getroffen.

Wir drei Gründer waren alle im Studium. Wir wussten, was wir in etwa machen wollten, aber nicht wie. Wir sind eine Phase durchlaufen, die wahrscheinlich recht typisch für unerfahrene Gründer ist. Wir selber waren BWLer und hatten ein blumiges Bild von der Realität. Ein paar Symptome:

  • Wir hatten kaum Ahnung von IT und dachten, mit ein bisschen HTML-Grundwissen sind wir schon ganz gut aufgestellt
  • Wir wollten eine IT-Firma an unserer Firma beteiligen, um die Umsetzung all unserer tollen Ideen ohne Cash (denn das hatten wir nicht) gewährleisten zu können
  • Wir wollten in kürzester Zeit reich und berühmt werden, aber parallel noch unsere Klausuren schreiben und unser soziales Leben in der Stadt der Städte geniessen
  • Wir wollten einen Investor finden, hatten aber keine Ahnung davon, was Investoren von einem Start-Up eigentlich erwarten und schickten unseren „Business Plan“ blind an alle Venture Capital Firmen, die damals die Presse machten (die meisten davon gibt es laaaange nicht mehr – der „Business Plan“ von damals hingegen dient mir heute noch zur Belustigung)
  • Wir glaubten, wir bräuchten professionelle Anwälte, PR-Berater, Strategieberater usw. und könnten sie alle mit Anteilen statt Cash ködern.
  • Wir glaubten, dass wir mit Vision, Begeisterung und Hartnäckigkeit eine Firma bauen können.

Bis auf den letzten Punkt, sollten wir bei allen diesen Punkten einiges hinzulernen. Hier meine Learnings, die meiner Meinung nach heute noch Gültigkeit besitzen:

  • IT: Für ein Web-Start-Up essenziell. Damals konnte man mit ein paar WInfo-Studenten eine dynamische Seite mit PHP bauen. Heute sind die Ansprüche ungleich höher. Einer im Team muss sich auskennen und den Entwicklungsprozess in die Hand nehmen können. Wenn eine Seite nicht pefekt gebaut, die Idee aber gut ist, ist sie in 2 Wochen von jemandem kopiert, der sie besser bauen kann.
  • IT 2: Die squeaker.net-Seite, die heute noch online ist, ist im Wesentlichen die Seite, die wir in 2000 gebaut hatten. Dass sie noch läuft, liegt daran, dass wir nach einem langen Hickhack mit der IT-Firma, die unsere Seite für Anteile bauen wollte, selber Programmierer ins Team geholt haben und sie jeden Tag im selben Raum zusammen gebaut hatten. Man kann für so einen kreativen Prozess nicht einfach die Anforderungen über den Zaun werfen und hoffen, dass ein perfektes Produkt zurück kommt.
  • Freiheit: Wenn Du gründest, dann ist dass Arbeit, Freizeit, Freunde, Feinde, Freud & Leid in einem. Wenn es Dir ernst ist, dann nimm ein Urlaubssemester, kündige den Job und leg richtig los. Alles andere ist Zeitverschwendung. Wir haben das damals zum Glück nach ein paar Monaten gemerkt – und gemacht. Die beste Entscheidung. Erst als wir ein Büro gemietet hatten und jeden Tag 14-16 Stunden zusammen waren, hat sich wirklich was bewegt.
  • Investoren: Heute gibt es hunderte guter Blogs, Gründernetzwerke usw. Informiert Euch und holt Euch Rat, bevor ihr ins Fundraising geht. Meine Erfahrung als Early-Stage VC: 90% der Start-Ups, die ich getroffen hatte, hatten NULL Chance, VC Investment zu bekommen, ohne sich grundlegend Gedanken über ihr Business zu machen. Spart Euch die 3-6 Monate in die Tonne fundraisen und informiert Euch bei Leuten wir mir…
  • Dienstleister: Die meisten braucht ihr nicht. v.a. bei PR-Agenturen kann man viel Geld umsonst ausgeben. Beteiligt nur absolute Key-Leute im Management.

Zum Glück haben wir damals ein paar Sachen gelernt. Wir mussten teilweise teures Lehrgeld zahlen. Vieles würde ich heute anders machen. Dass es uns nach fast 10 Jahren noch gibt und die Firma seit langem profitabel ist, liegt an wenigen guten Entscheidungen von damals.

Noch im Frühjahr 2010 wird die neue squeaker.net Seite online gehen. Die alte hat ganz schön lange gehalten – aber ist wirklich nicht mehr zeitgemäß. Wer als erster dabei sein will, kann sich hier seinen Beta-Invite holen.

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